Markteinführung des Offshore-Windparks „He Dreiht“ durch EnBW
Der Energiekonzern EnBW hat das größte Offshore-Windprojekt Deutschlands, den Windpark „He Dreiht“, etwa 110 Kilometer vor der Küste Helgolands in Betrieb genommen. Dieses Projekt beinhaltet 64 Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von 142 Metern und wurde mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 2,4 Milliarden Euro realisiert, wie das Unternehmen aus Karlsruhe mitteilt.
Rolle der Offshore-Windenergie für die Energiewende
Peter Heydecker, der Vorstand für Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur, hob die wichtige Rolle der Offshore-Windkraft als eine heimische und erneuerbare Energiequelle hervor. Diese Technologie ist in der Lage, über längere Zeiträume hinweg erhebliche Strommengen zu erzeugen, was sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Dekarbonisierung des Stromsystems unterstützt.
Technische Merkmale und Herausforderungen
Mit einer Gesamtleistung von 960 Megawatt soll der Windpark „He Dreiht“ ab Herbst 2026 rechnerisch etwa 1,1 Millionen Haushalte mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen. Die Mehrheit der Windkraftanlagen ist bereits am Netz, und die vollständige Inbetriebnahme wird bis zum Sommer 2026 erwartet. Jedes Rotorblatt hat einen Durchmesser von 236 Metern und bedeckt bei einer Umdrehung eine Fläche von 43.742 Quadratmetern, was der Größe von sechs Fußballfeldern entspricht.
Unvorhergesehene Schwierigkeiten
Vor kurzem traten Probleme auf, als Ende Juli ein 20 Meter langes Stück eines Rotorblatts abbrach und im Meer trieb. Der Hersteller Vestas untersucht derzeit den Vorfall. Der Windpark ist über eine Konverterstation auf See sowie zwei Hochspannungskabel mit dem Stromnetz verbunden, die insgesamt über 120 Kilometer unter Wasser und 110 Kilometer an Land verlaufen.
Förderfreies Projekt mit langfristigen Verträgen
„He Dreiht“ stellt den fünften Offshore-Windpark von EnBW dar und nahezu eine Verdopplung der Offshore-Leistung des Unternehmens. Es ist einer der ersten Windparks, die ohne staatliche Förderungen, wie die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz, auskommen. EnBW hat stattdessen langfristige Verträge mit großen Abnehmern wie Google, Bosch, Salzgitter, Deutsche Bahn und Fraport abgeschlossen.
Forderung nach Anpassungen in der Windkraftpolitik
Vorstandschef Georg Stamatelopoulos hat die Bundesregierung aufgefordert, die Ausbauziele für Windkraft in Nord- und Ostsee zu überprüfen. Er wies darauf hin, dass die Kosten für Windturbinen, Logistik und Verkabelung in den letzten Jahren stark gestiegen sind, was die Wirtschaftlichkeit der Projekte gefährdet. Stamatelopoulos regte an, zunächst 55 Gigawatt zu installieren, bevor weitere Schritte unternommen werden. Zudem wurde kürzlich berichtet, dass das Unternehmen RWE Offshore-Projekte in den USA stoppt und eine Entschädigung erhält.
Der aktuelle Stand der Offshore-Windenergie in Deutschland
Die Bundesregierung strebt an, die Kapazität zur Stromerzeugung aus Offshore-Wind bis 2030 auf mindestens 30 Gigawatt zu erhöhen, mit dem Ziel, bis 2045 70 Gigawatt zu erreichen. Laut der Stiftung Offshore-Windenergie waren Ende Juni in Deutschland 1.764 Offshore-Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 10,8 Gigawatt in Betrieb. Die Planungen bis 2035 sehen eine Gesamtleistung von rund 41 Gigawatt vor. Allerdings sieht das Wirtschaftsministerium Preissenkungen bei Strom erst in den 2030ern.
Rückzug von internationalen Projekten
Aufgrund unzureichender Wirtschaftlichkeit hat EnBW im Januar beschlossen, sich aus zwei Offshore-Windprojekten in der Irischen See zurückzuziehen. Der Konzern begründete diesen Schritt mit dem Fehlen staatlicher Förderungen für die Projekte „Morgan“ und „Mona“ in Großbritannien, was zu einer außerplanmäßigen Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro führte.
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Quellen: Focus, Der Spiegel
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