Im Kontext der aktuellen Diskussion um die Gesundheitsversorgung in Deutschland äußert sich die AOK-Chefin Carola Reimann kritisch zu den geplanten Reformen, die eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag vorsehen. Diese Maßnahmen könnten die Praxen überlasten und seien nicht zielführend.
Position der AOK-Chefin zu geplanten Reformen
Reimann betont die Bedeutung der telefonischen Krankschreibung, insbesondere in Zeiten von Infektionswellen. „Gerade bei Infektionswellen ist sie ein gutes Mittel, um Ansteckungen zu vermeiden und medizinisches Personal zu schützen“, erklärte sie in einem Interview. Sie sieht keinen Anhaltspunkt für einen Missbrauch dieser Regelung und verweist darauf, dass während der Corona-Pandemie keine signifikanten Veränderungen im Krankschreibungsverhalten der Ärzte festgestellt wurden. Zudem hat die Stiko die Corona-Impfempfehlungen angepasst, was die Situation zusätzlich beeinflussen könnte.
Kritik an der Attestpflicht ab dem ersten Tag
Zusätzlich lehnt Reimann die Einführung einer Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ab dem ersten Krankheitstag ab. Ihrer Meinung nach würde dies erhebliche Ressourcen binden, die für die medizinische Versorgung benötigt werden. „Das ist doch unsinnig“, sagte sie und wies darauf hin, dass Arbeitgeber bereits jetzt verlangen können, dass Beschäftigte ab dem ersten Tag eine Bescheinigung vorlegen.
Warnung vor politischer Verkürzung der Debatte
Reimann warnte auch davor, die Diskussion über die Anzahl der Krankheitstage politisch zu verkürzen. Sie sieht diese Debatte als Teil einer breiteren Diskussion über vermeintlich zu viele Krankheitstage und „Lifestyle-Teilzeit“. „Ich hoffe sehr, dass der nüchterne Blick auf den Vorschlag noch einmal dazu führt, dass man ihn nicht umsetzt“, fügte sie hinzu. Die Einführung der elektronischen Krankschreibung habe bereits zu einer umfassenderen Erfassung der Arbeitsunfähigkeitsdaten geführt, was die Statistiken im Vergleich zu früheren Jahren verändert habe. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, dass Wissenschaftler befürchten Gesundheitsnachteile für die jüngere Generation im Alter.
Forderung nach mehr Prävention
In der Debatte um die Zukunft der gesetzlichen Krankenversicherung fordert Reimann zudem einen stärkeren Fokus auf Prävention. „Wir müssen bei der Prävention besser werden. Wir tun in Deutschland zu wenig dafür, dass Menschen gar nicht erst krank werden“, sagte sie. Insbesondere bei der Verfügbarkeit von Alkohol und Tabak sieht sie Handlungsbedarf und schlägt vor, gesundheitsschädliche Produkte teurer zu machen und deren Verfügbarkeit einzuschränken.
Finanzielle Herausforderungen der Krankenkassen
Reimann äußerte sich auch zu den finanziellen Herausforderungen der Krankenkassen. Obwohl im ersten Halbjahr mehr als zwei Milliarden Euro Überschuss erzielt wurden, warnte sie, dass dies nur die halbe Wahrheit sei. Die Ausgaben für Leistungen steigen weiterhin um sieben bis acht Prozent, was die Kassen vor erhebliche Probleme stellt. „Das eigentliche Problem ist die Ausgabenseite. Die ist ungebremst dynamisch“, so Reimann abschließend. Norwegischer Staatsfonds: Rekordgewinne und alarmierende Warnungen vor Risiken.
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Quellen: n-tv
Bildquelle: Horst J. Meuter via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
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