Die jüngste Großübung in Thüringen, die als lebensrettende Maßnahme konzipiert war, endete in einem Debakel. Bei der Simulation eines Brandes in einem ICE, der in einem Tunnel feststeckte, wurde deutlich, dass die Reaktionszeiten der Rettungskräfte in einem echten Notfall katastrophale Folgen gehabt hätten. Ein Experte äußerte sich mit den Worten:
„Wäre das hier echt, wären längst alle tot.“
Übung im Sandbergtunnel
Im 1320 Meter langen Sandbergtunnel zwischen Nürnberg und Erfurt wurde ein Szenario geprobt, bei dem ein brennender ICE mit 100 Fahrgästen, von denen einige schwer verletzt waren, evakuiert werden sollte. Marc Stielow, Branddirektor im Thüringer Innenministerium, betonte vor Ort:
„Der Endgegner im Tunnel ist die Zeit.“
Doch die Zeit spielte nicht auf Seiten der Retter.
Verspätete Alarmierung der Einsatzkräfte
Die ersten Einsatzkräfte erschienen erst zwei Stunden und sieben Minuten nach dem Notruf des Lokführers. Ursprünglich war geplant, dass die Rettungskräfte innerhalb von 10 bis 25 Minuten am Tunnel eintreffen. Die Verzögerungen wurden durch eine verspätete Alarmierung verursacht. Der Lokführer hatte um 10:15 Uhr den Notruf an die Bahnleitstelle abgesetzt, doch die Rettungsleitstelle Mittelthüringen wurde erst 30 Minuten später informiert. Weitere 30 Minuten vergingen, bis die Feuerwehren alarmiert wurden.
Kritik an der Übung
Die Übung, die über zwei Jahre hinweg geplant wurde, fand unter den Augen von Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) statt. Daniel Baumbach, Sprecher des Thüringer Innenministeriums, räumte ein, dass es bei der Alarmierung zu erheblichen Problemen gekommen sei.
„Eine Übung ist ja dazu da, Fehlerquellen aufzudecken, damit es im Ernstfall dann funktioniert,“
erklärte Baumbach. Die genauen Ursachen für die Verzögerungen sollen in den kommenden Wochen von Fachleuten analysiert werden.
Weitere Pannen bei der Informationsweitergabe
Zusätzlich zu den Problemen bei der Alarmierung gab es auch Pannen bei der Information der Bevölkerung. Warnmeldungen über die Apps Nina und Katwarn sollten ausgespielt werden, erreichten jedoch nicht alle Nutzer. Diese Mängel werfen Fragen zur Effizienz der Notfallplanung auf und verdeutlichen die Notwendigkeit von Verbesserungen in der Krisenbewältigung. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich kürzlich in Bayern, wo die Reaktionszeiten ebenfalls zu spät waren, und in Gelsenkirchen, wo ein Zusammenstoß von Straßenbahnen zahlreiche Verletzte zur Folge hatte.
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